Warum und wann Kunden kaufen
Ganz einfach: Weil sie etwas brauchen, etwas wollen oder sich
etwas davon versprechen, eine gewisse Dringlichkeit vorliegt und
weil sie es sich - zumindest subjektiv - leisten können. Punkt.
Viel spannender ist die Frage, wann Kunden bei Ihnen kaufen und was
Sie als Verkäufer dafür tun können.
Die Grundvoraussetzung des Kaufens
Zunächst einmal müssen die Kunden wissen, dass es etwas bei
Ihnen zu kaufen gibt. Klingt profan, ist es aber nicht. Hier ist
Ihre "Action" gefragt. Ran an den Markt! Wer nie einen Lottoschein
ausfüllt und abgibt, wird auch nie im Lotto gewinnen.
Ob Kunden etwas brauchen, können Sie natürlich nicht wissen,
allenfalls vermuten, es sei denn, der Kunde sagt es Ihnen.
Beeinflussen können Sie es nicht. Braucht er gerade nichts? Egal.
Bleiben Sie in guter Erinnerung, bleiben Sie präsent und irgendwann
bekommen Sie Ihre Chance.
Das Ganze machen Sie am besten mit Plan. Warum wird das nächste
Geschäftsjahr besser als dieses? Weil sie in diesem Jahr angefangen
haben, sich systematisch Ihren Markt aufzubereiten.
Bedarfe für den Kauf wecken - geht das?
Ja - es geht. Oft reicht eine kleine Anregung, die den Kunden
zum Nachdenken und letztendlich zum Kauf bewegt. Denken Sie einmal
nach. Was hat Sie zuletzt zum Kauf angeregt, an das Sie tags zuvor
noch gar nicht gedacht haben?
Damit wir uns nicht falsch verstehen. Mit Anregungen meine ich
nicht die übliche Nutzenarmada aus Kosten senken, Umsatz steigern,
einfacher, schneller, größer, sicherer etc. Spräche der Kunde
darauf an, müsste er ja nur noch kaufen. Diese rationalen Nutzen
"bewegen nicht", sondern dienen maximal als Rechtfertigung für den
Kaufentscheid.
Sie oder der Wettbewerb - wer macht das Rennen beim
Verkaufen?
Der Preis? Die Qualität? Ein klares JEIN. Jeder Kunde zahlt den
Preis für die Qualität, den er in der aktuellen Situation dafür
bereit ist, zu bezahlen. Und nur, wenn nichts anderes am oder beim
Kauf "fasziniert", entscheidet der Preis alleine.
Ein Beispiel: Zwei Biergärten, direkt nebeneinander. Beide
verkaufen das gleiche Bier. Biergarten A um 10% günstiger. Trotzdem
sitzen alle im Biergarten B.
Der Mensch ist kein "homo oeconomicus". Ihn gibt es nur an der
Wirtschaftsfakultät oder im Labor.
Selbst die Entscheidungen in den Chefetagen sind weitgehend von
Emotionen geprägt und damit meine ich nicht nur Prestige und
ähnliches. Warum entscheidet ein Vorstand nach seiner Ernennung
anders als vor der gewünschten Vertragsverlängerung?
Faszination beim Kauf. Wie geht das?
Zunächst nehmen Sie bitte das Wort Faszination nicht allzu
wörtlich. Angebote faszinieren, wenn sie die Sorgen, Ängste, Nöte,
Hoffnungen, Sehnsüchte, Träume oder Wünsche des Kunden ansprechen.
Emotionen pur. Angebote, die keine Emotionen auslösen oder
bestätigen, sind belanglos. Der Preis entscheidet - und zwar
allein, falls überhaupt gekauft wird.
Und wenn Sie als Verkäufer keine Emotionen zeigen, werden Sie als
Person auch keine bei anderen auslösen können. Hinzu kommt, dass
sich Emotionen im Gehirn festsetzen. Nutzenargumente der üblichen
Art hingegen dem nächstgelegenen Ohr entfleuchen, um es einmal
poetisch auszudrücken.
- Macht es Spaß, mit Ihnen zu
arbeiten, ist es einfach?
- Trifft der Kunde mit Ihrem Angebot
die richtige Entscheidung? Kann er sie vor sich und anderen
vertreten?
- Bringen Sie Ihren Kunden nach
vorne? Ihn und sein Unternehmen?
- Unterstützen und führen Sie ihn
oder machen Sie ihm die Entscheidung nur schwer?
- Passt die Chemie? Sind Sie
kompetent und ehrlich?
- Sind Sie ein Loser oder ein
Winner? Kunden kaufen nicht beim Loser. Winner sind ansteckend und
anziehend.
Einige Anregungen
- Glauben Sie, dass der
Angebotspreis selbst in der öffentlichen Ausschreibung immer
alleine über Zuschlag und Ablehnung entscheidet? Oder ist es nicht
doch die Sicherheit, formal und inhaltlich die richtige
Entscheidung zu treffen?
- Der Vertriebsleiter entscheidet
sich für das Training bei Anbieter A, obwohl es vielleicht noch
tausend andere Anbieter gibt, von denen mindestens die Hälfte die
besseren Inhalte, einen besseren Preis oder beides
liefert?
- Warum ordert der CIO des
DAX-Unternehmens 80% seiner benötigten IT-Produkte und
Dienstleistungen nahezu "ungesehen" beim Marktführer, der andere
akribisch nach dem "Best-of-Breed" Ansatz?
- Warum antwortet der Einkäufer dem
Akquisiteur: "Kein Bedarf", obwohl er eine Stunde später einen
Auftrag bei seinem Stammlieferanten platziert?
- Warum schreibt der Wettbewerb sein
Angebot auf einen Bierdeckel und bekommt den Auftrag und das
15seitige Angebot mit 100 Optionen wird nicht einmal
gelesen?
- Warum wechselt ein Unternehmen
völlig unerwartet den Lieferanten oder Dienstleister, obwohl
scheinbar gar nichts vorgefallen war?
- Warum umschifft der Kunde
kritische Fragen von ganz alleine und kauft?
- Und warum rennt der Verkäufer
trotz sachlicher Vorteile mit seinem Angebot wie gegen eine
Gummiwand?
Nun, ich könnte noch viele Praxisbeispiele anführen. Sie
sicherlich auch. Lesen Sie den Artikel noch einmal und dann? Dann
ändern Sie etwas. Im Hunting & Farming, in Ihren
Verkaufsunterlagen …
⇒ mehr Unverblümtes aus dem Vertrieb
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